Veröffentlicht am: 05.01.2026
Ein stiller, aber bedeutender Moment in Bilstein: Am Eingang zur Burg Bilstein wurde eine Gedenktafel enthüllt, die an die Hexenverfolgungen Anfang des 17. Jahrhunderts erinnert. Die Tafel steht gut sichtbar rechts vom Burgeingang – an einem Ort, an dem täglich Menschen vorbeikommen. Genau das macht sie so wichtig: Sie rückt ein dunkles Kapitel der Ortsgeschichte ins Bewusstsein – nicht irgendwo abseits, sondern mitten im öffentlichen Raum.
Die Hexenverfolgungen waren für viele Regionen eine Zeit der Angst, der Denunziation und der Unmenschlichkeit. Auch Bilstein blieb davon nicht verschont. Mit der neuen Gedenktafel wird deutlich: Erinnerung ist nicht nur Rückblick – sie ist Verantwortung. Sie mahnt dazu, wachsam zu bleiben gegenüber Ausgrenzung, Vorurteilen und dem schnellen Urteil über andere.
Besonders wertvoll ist dabei die historische Aufarbeitung, die hinter diesem Erinnerungszeichen steht. Martin Vormberg, ehemaliger Gemeindearchivar der Gemeinde Kirchhundem, hat in mühsamer Kleinarbeit die Geschichte der Hexenverfolgung in Bilstein zu Beginn des 17. Jahrhunderts recherchiert und in einem Buch dokumentiert. Seine Arbeit bildet eine wichtige Grundlage dafür, dass Namen, Ereignisse und Hintergründe nicht vergessen werden.
Auf dem Foto zur Enthüllung zu sehen sind (v. l.) Andrea Bräutigam (Stadtarchiv Lennestadt), Sebastian Kühn (Herbergsvater auf Burg Bilstein), Marese Heermann (1. Vorsitzende Dorfgemeinschaft Bilstein), Lisa Ohm (Stadt Lennestadt), Günter Sagafe (ehemaliger Herbergsvater auf Burg Bilstein) sowie Martin Vormberg.
Die Gedenktafel ist ein Zeichen des Respekts gegenüber den Opfern und ein Schritt, sich der eigenen Geschichte zu stellen – auch dann, wenn sie schmerzt. Wer die Burg Bilstein besucht, ist eingeladen, kurz stehen zu bleiben, zu lesen und nachzudenken. Denn Erinnerung beginnt oft mit einem einzigen Moment der Aufmerksamkeit.